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20-jähriges Jubiläum

Aus einem Artikel in der Augsburger Allgemeinen

Zeus selbst muss seine Hand im Spiel gehabt haben, als 1986 in Heretsried seltsame Dinge passierten. Und er schickte wohl Hermes, den griechischen Götterboten zu seinem Berufskollegen, dem Postboten Sebastian Bernhard, um ihm diesen besonderen Auftrag zu übermitteln. Mit Skepsis beäugten die Nachbarn dann, was sich am Ende des Buchenweges tat. Bagger hoben ein riesiges Halbrund neben dem Wohnhaus aus, was die kuriosesten Spekulationen sprießen ließ. Sollte das ein überdimensionaler Grillplatz werden oder ein Atombunker? Nein, hier entstand in über 1000 Tagen ein griechisches Theater, sehr zum Wohlgefallen des Göttervaters im Olymp. Ab jetzt konnte auch im Schwäbischen über Liebe, Leid und Schicksal an einem originalgetreuen Schauplatz philosophiert werden. Das ist jetzt 20 jähre her. Und noch immer lebt das Griechische Theater.

 

2005...und wieder wird „Antigone" gespielt, wie 1986 als zum ersten Mal das griechische Theater in Heretsried zum Leben erweckt wurde. Wollte man damit die Götter zufrieden stimmen? „Nun ja', schmunzelt Sebastian Bernhard, eher sei es doch die grenzenlose Griechenland-Leidenschaft gewesen. Der inzwischen ergraute 54-jährige Postbote hat zusammen mit seiner ein Jahr jüngeren Ehefrau Marlies vor 20 Jahren einen Traum verwirk licht, der eher schicksalhaft begann.

„Unser Haus stand schon, aber der Garten fehlte noch." Und der lag an einem steilen Abhang und musste abgesichert werden. „Zugegeben, schon ein bisserl gspinnert", räumt Bernhard lachend ein. Aber: „Es gab einen Vorreiter für die Idee.'" Der ehemalige Pfarrer von Affaltem. Dr. Werner Hörmann, hatte bereits zuvor das wohl erste griechische Theater nördlich der Alpen erbaut, und zwar im Pfarrhof. Mit ihm war Bernhard dreimal in Griechenland - und er ließ sich inspirieren vom griechischen Mythos. Ein griechisches Theaterstück im Urlaub auf Sizilien habe den Stein in Heretsried ins Rollen gebracht.

 

Säulenflair

Von 1982 bis 1985 holten sich die Bernhards Stück für Stück, Marmorplatte für Marmorplatte, jeden Teil dieser Theaterwelt in den eigenen Garten und Sisyphos war ihr ständiger Begleiter. Und die beiden Kinder, die während dieser Zeit geboren wurden, wuchsen im mediterranen Säulenflair heran. Auf den acht Stufen finden bis zu 300 Besucher Platz. Nach der Eröffnungspremiere findet sich Heretsried in den Schlagzeilen großer Zeitungen in ganz Deutschland wieder.

 

Förderverein schafft Basis

1993 mündet schließlich die Griechenland-Begeisterung der Bernhards in einen ordentlichen deutschen Verein, dessen Vorsitzender Sebastian Bernhard selbst ist. Der „Förderverein Griechisches Theater Heretsried'' zählt mittlerweile 110 Mitglieder. Einen finanziell größeren Spielraum hat das kleine Theater somit und die Verantwortung sei auf mehrere Schultern verteilt.

Ein Abend wie er vor kurzem mit dem Kabarettisten Lars Reichow stattfand, lässt die Mühen der Vergangenheit vergessen. Wenn sich während eines Theaterabends das Wohnhaus mit Leben füllt und aus Kammern Schminkräume, Kochnischen, Garderoben und Wickelraum werden, dann fühlen sich die Bernhards wohl und bestätigt Wer kann schon mit Großen aus der Theaterwelt weintrinkend und philosophierend viele Abende verbringen? „Wir haben schon viele interessante Menschen kennen gelernt.'' Peter Horton, Silvano Tuiach, Hanne Hiob, Luise Kinseher und andere gastierten bereits in Heretsried. Und das Dorf „spielt mit", wenn es jeweils im Juli heißt: Bühne frei… für Serenaden, Shakespeare-Dramen, Moliere-Lustspiele, Musik, Tanz, Clowns-Workshops oder Kindertheater. Ein eigenes Schauspiel sei jedes Mal der Klaviertransport vom Haus auf die Orchestra. Während der Kulissenarbeiten kann schon mal ein Malheur passieren, „eine Schnecke war einmal der Grund für einen Harfenunfall", erzählen die Theaterchefs.

 

Kulinarische Pausen

„Unsere Nachbarn sind gut gestimmt", glaubt Marlies Bernhard, die darauf bedacht ist, den Frieden nicht zu stören Den Autoverkehr regelt die örtliche Feuerwehr und manche Dorfbewohnerin steuert etwas fürs leibliche Wohl bei.

In den Pausen sorgt der Theaterverein für Kulinarisches aus der Gyros-Pfanne. Fehlt nur noch, dass der Wettergott ein Erbarmen für die Theatergemeinde hat „Das zerrt an den Nerven", berichtet Sebastian Bernhard über manchen Regenguss kurz vor der Aufführung. Doch der gute Draht nach oben - Marlies Bernhard ist Pastoralreferentin - führte selten zu den Ausweichquartieren in die Dorfkirche und das Gemeindehaus.

 

Außerdem stehen mit Athene, der Göttin der Künste, und Apoll, dem Gott des Lichts zwei mächtige Helfer zur Seite.